XBOX360: Halo 3

Als „Halo“ 2001 für die Xbox veröffentlicht wurde, revolutionierte es nicht das Genre der EgoShooter, aber es setzte zunächst einmal neue Maßstäbe. Nun will man mit dem schon dritten Nachfolger, mit Halo3 auf der XBOX360, die Geschichte weiter erzählen. Ob alle Halo Fans mit dem dritten Teil auf ihre kosten Kommen, erfahrt man hier…
Im einzelnen waren die Veränderungen gegenüber hergebrachten EgoShootern eher unscheinbar, aber in der Summe bewirkten sie, dass die Halo-Reihe zum Erfolgsschlager wurde und unangefochten das meist verkaufte Spiel der Xbox.
In „Halo“ wurde mehr Wert auf ein dynamisches Gameplay gelegt. Die Spieler mussten nicht so viele Gegenstände und Waffen aufsammeln, die herkömmliche EgoShooter zum Teil in eine Art Ostereiersuchen und feindlichem Feuer verwandelten. Die Grafik wurde deutlich verbessert und das Spiel erhielt eine detaillierte Hintergrundgeschichte.
Gerade diese Hintergrundgeschichte ist es, die „Halo“ so unverwechselbar macht. Das Spiel ist nicht länger mehr Selbstzweck und genügt sich allein, sondern entführt den Spieler in ein ausgearbeitetes Universum, das er mit seinen Aktionen mit beeinflusst. Sogar eine Reihe begleitender Romane vertiefen die Atmosphäre.

Creative Commons License photo credit: commorancy

Die Menschheit befindet sich im Krieg mit der „Allianz“, einem Zusammenschluss verschiedener, außerirdischer Rassen. Anders als herkömmliche Bösewichte in EgoShootern ist die „Allianz“ durch ein richtiges und nachvollziehbares Ziel motiviert. Es geht ihr nicht um die Vernichtung der Menschheit per se. Im Grunde interessiert sich die „Allianz“ wenig für die Menschheit.
Die geistigen Führer der „Allianz“, die Propheten, fanden die Hinterlassenschaften einer vergangenen Kultur, die sie die Blutsväter nannten. Die Propheten vermuteten, die Blutsväter wäre zu Göttern geworden und glauben, sie könnten selbst zu Göttern werden, wenn sie dem Weg der Blutsväter folgen.

Diesem Ziel werden alle Aktivitäten der Allianz untergeordnet, die jetzt auf der Suche nach der Ringwelt „Halo“ alle Rassen unterwirft und im Zuge des Strebens nach der Göttlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht.
Der Konflikt zwischen der Menschheit und der Allianz ist also nur ein Akt des Theaterstückes, dem schon andere voran gegangen sind und weitere möglicherweise folgen werden.
Im zweiten Teil der Trilogie sind die Menschen bereits nicht mehr länger nur irgendeine Rasse, die den Weg der „Allianz“ auf ihrem Streben nach Göttlichkeit kreuzte. Wahrscheinlich sind sie Nachfahren der Blutsväter sind.

Wie episch die Handlung der „Halo“-Trilogie angelegt ist, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass das Spiel auch auf interne Konflikte innerhalb der „Allianz“ eingeht. So sind die Bösen keine gesichtslose Masse, die fraglos Befehle befolgt, sondern eine lebendige politische Einheit mit einer Vielzahl verschiedener Interessen und Meinungen.


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Folgerichtig war man „Halo 2“ nicht nur darauf beschränkt, als Master Chief für das Überleben der Menschheit zu kämpfen, sondern konnte das Geschehen auch in Gestalt von „Fulsamee“, einem von den Propheten ernannten Gebieter der Allianz auch einen Einblick in die Allianz bekommen.
Im Verlauf des Spiels verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr, bis man sich Master Chief oder als Fulsamee vorkommt wie eine Figur in einer gigantischen Partie Schach, in der die Spieler längst den Überblick über das Geschehen verloren haben.

Die Handlung von „Halo 3“ setzt zu einem Zeitpunkt ein, da die Menschheit mit dem Rücken zur Wand steht. Die Allianz ist auf der Erde gelandet und sucht in den Ruinen von Neu Mombasa nach einem geheimnisvollen Objekt.
Während Master Chief und die Verbündeten entscheiden, dass das Objekt vernichtet werden müsse, wird ihre Basis von der Allianz entdeckt. Ein Kampf ums nackte Überleben, der sicherlich ein wenig vom Kampf um die Rebellenstation auf dem Eisplaneten Hoth in „Star War V – Das Imperium schlägt zurück“ inspiriert worden ist, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut.
Die ganze Handlung von „Halo 3“ nachzuerzählen wäre kompliziert und kontraproduktiv. Gab es zahlreiche Kritiker, die dem Vorgänger vorwarfen zu sehr den Charakter eines Cliffhangers zu haben, so gelang es in „Halo 3“ die vielen kryptischen Andeutungen in eine spannende Handlung einzubauen, so dass sich im Verlaufe des Spiels das komplizierte Gefüge zu einem großen Ganzen zusammen setzt, ohne der Spannung des letzten Teiles Abbruch zu tun.

Die Steuerung von „Halo 3“ schließt nahtlos an die des Vorgängers an. Das hat aber nichts mit mangelnder Innovation zu tun, sondern folgt der klugen Überlegung, dass die Handlung sich im Verlaufe der Reihe fortentwickeln soll, das Gameplay aber nur Mittel zum Zweck ist.
So kommen neue Gegenstände und Fahrzeuge vor, die aber eher der veränderten Handlung geschuldet sind, als dass es sich dabei um eine Weiterentwicklung der Technik handelt. Neuerungen wie fest installierte Geschütze oder zielsuchende Raketen werden dem Spieler zwar an die Hand gegeben, durch begrenzte Munitionsreserven aber bereits wieder streng limitiert.

Die Grafik wurde bei „Halo 3“ allerdings überholt und einem immer verwöhnterem Publikum angepasst. Die Lichteffekte sind beinahe als brillant zu bezeichnen, die Außenansichten sind wunderschön gehalten. Wenn sich etwa Licht durch das Dschungelszenario bricht, befindet sich „Halo 3“ auf der Xbox 360 auf Augenhöhe mit Kinofilmen. Selbiges gilt für die opulent gestalteten Zwischensequenzen. Dort kann die Engine ihre volle Leistungsstärke ausspielen, was im eigentlichen Spiel freilich nicht immer gelingt.
Eine flüssige, nahezu fehlerfreie Grafik unterstützt das dramatische Gameplay und schafft im Spiel eine Atmosphäre, die mit der epischen Hintergrundgeschichte Schritt halten kann und das sagt ja bereits einiges.


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Wenn jemand erwartet, dass „Halo 3“ wieder einmal neue Maßstäbe für das Genre der EgoShooter setzt, so wie es der erste Teil der Trilogie tat, so wird er sicherlich ein wenig enttäuscht sein. Allerdings würde er „Halo 3“ dann auch unter den falschen Voraussetzungen gekauft haben. Denn „Halo 3“ muss niemandem mehr etwas beweisen.
Das Ziel war es, eine überaus komplexe Trilogie zu einem gelungenen Abschluss zu bringen und das ist auch furios gelungen. Auf bahnbrechende Neuerungen in Sachen Grafik, Steuerung, Sound oder Gameplay wurde bewusst verzichtet, denn wer sich für „Halo 3“ entscheidet, der will vor allem wissen, wie und ob die Geschichte endet und sich nicht erst mühsam eine neue Steuerung aneignen. Weniger war hier einmal mehr. Zugunsten der Spielbarkeit wurde also auf bereits bewährtes gesetzt. Fans der Halo-Trilogie werden es den Machern auf jeden Fall danken.

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